Von Äpfeln und Social Media. Oder: Probearbeiten bei piâbo. Ein Erfahrungsbericht.
Montag früh, 7 Uhr. Mein Wecker klingelt und wider Erwarten bin ich sofort hellwach. Heute ist es soweit: Nach eineinhalb Jahren Abenteuer und Reisen in fernen Landen steht nun meine fulminante Rückkehr in die schillernde Welt der PR an. Nichts Geringeres geht mir durch den Kopf als ich meinem leicht zersausten Ich an diesem Morgen im Spiegel beim Zähneputzen zusehe.
Der Wiedereinstieg in die PR-Branche ist für mich eine logische Konsequenz. Während des Studiums war mir schnell klar, dass es das ist, was ich möchte. Verschiedene Praktika in PR-Agenturen und im Bereich Redaktion haben meinen Berufswunsch weiter gefestigt. Nach meiner Rückkehr vom anderen Ende der Welt machte eine Freundin mich schließlich auf piâbo aufmerksam. Eine PR-Beraterin wird gesucht. Praktische Erfahrungen in der PR-Arbeit sollte sie haben, zuverlässig sein, verantwortungsvoll und loyal. So allgemein, so gut. Gewünscht wird außerdem eine Can-do-Attitüde, Proaktive Arbeitseinstellung und „out-of-the-box“- thinking. Sofort tun sich vor meinem geistigen Auge Szenarien von auf Flip Charts gepresster Kreativität auf, von jungen, dynamischen Freigeistern, die in schicken Büros in Berlin Mitte die Kommunikationsbranche umkrempeln. Ja, ich bin ein Freund des großen Kinos, des kleinen Schritts mit großer Bedeutung für die Menschheit. „Katja T. – Beraterin für Public Relations und Social Media“ – das klingt doch ziemlich gut. Noch am selben Tag landet die Bewerbung bei Tilo Bonow im virtuellen Postkasten. Bereits einen Tag später folgt die Einladung zum Vorstellungsgespräch und nach einer Woche der erlösende Anruf: Einladung zum Probearbeiten. Die erste Hürde auf dem Weg zum neuen Job ist genommen.
Nun ist es also soweit. Viele Fragen schießen mir durch den Kopf. Angefangen von „Was zieh’ ich bloß an?“ bis hin zu (noch) existentielleren Fragen nach dem Ausreichen der eigenen Fähigkeiten. Und ganz wichtig: Hoffentlich sind die Leute nett. Damit steht und fällt ja oft die Entscheidung für einen neuen Job.
Zehn Minuten zu früh stehe ich bei piâbo vor der Tür. Schön ist es hier zwischen Alex und Hackeschem Markt. Inmitten von Designershops, Werbeagenturen, schicken Cafes und Menschen mit kleinen Hosen und umso größeren Brillen ist die kreative Atmosphäre fast schon greifbar.
Als ich ins Büro komme, begrüßt mich ein offensichtlich gut gelaunter Tilo Bonow und zeigt mir meinen Arbeitsplatz für den Tag. Nach dem Chef lächelt mich nun also ein kleiner schwarzer Apfel an. Meine erste Mac-Experience steht bevor. “Denk an die ’Can-do-attitude’!“, denke ich, klicke mich durch die verschiedenen Programme und bin erleichtert – die befürchtete Herausforderung des Technik-Genies in mir bleibt aus.
Nach und nach trudelt das Team von piâbo ein. Es werden Wochenenden ausgewertet, Verlobungsringe bestaunt und Überraschungseier ausgetauscht. Alle sind sehr nett und die Atmosphäre entspannt. Auch ich entspanne mich zusehends, während ich den Projektordner der Agentur durchforste und mich in die verschiedenen Projekte der Agentur einlese. piâbo betreut in erster Linie Online-Unternehmen. Ich klicke mich also von Website zu Website, lese Pressemitteilungen und schaue Filmtrailer. Der Vormittag vergeht wie im Fluge.
Gegen Mittag dann meine erste kleine Aufgabe: Eine Pressemitteilung für ein Online-Portal. Ich lese mich kurz in das Thema ein und lege los. Das fertige Werk gebe ich meiner potentiellen neuen Kollegin. Außer kleinen Korrekturen ist sie mit dem Ergebnis zufrieden. Und wieder entspanne ich mich ein bisschen mehr.
Zum Mittag gehe ich mit zwei der Mädels aus dem Team zum Inder. Mit Curry und Cola werden die Akkus aufgeladen. Am Nachmittag dann die nächste Aufgabe: Ideen für eine PR-Aktion im Vorfeld einer Markteinführung müssen her. Vor mir liegt ein leeres weißes Blatt, das gefüllt werden möchte. Ich google, suche nach Anhaltspunkten, spiele mit Begriffen und bringe schließlich drei Ideen zu Papier. Um mich herum rauchen die Köpfe der anderen, meine Nachbarin flucht über die verflixte Technik – trotzdem bleibt die Stimmung freundlich und zumindest nach außen hin gelassen.
Am späten Nachmittag folgt dann die Bitte an mich, einen Beitrag fürs Internet zu neuen Internetplattformen oder Sites zu verfassen. Aus einer Liste kann ich mir ein noch nicht besetztes Thema raussuchen. Mir schießt sofort das Online-Game Chatroulette in den Kopf. Bei dem Blick auf die Liste stelle ich jedoch fest, dass das Thema bereits vergeben ist. Also durchforste ich das Netz auf der Suche nach neuen Ideen. Draußen geht die Sonne langsam unter. Die ersten Lampen im Büro werden angeknipst. Als ich meine Mailadresse bei twitter eingebe, schließen sich plötzlich alle Fenster. Der Apfel lächelt mich scheinbar höhnisch an. An die Tastenbelegung beim Mac muss ich mich dann doch noch gewöhnen. Das Team hilft bei den kleinen Tücken gern weiter.
Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und ich spüre, wie die Anspannung aus meinem Körper weicht. Um sechs lädt der Chef zur Teamsitzung. Projekte und Aufgaben werden besprochen, Meetings geplant und Termine gelegt. Schon jetzt fühle ich mich nicht mehr ganz so neu hier.
Um 19:18 trete ich auf die Straße. Der erste Tag ist geschafft. Ich atme tief durch und mache mich auf den Nachhauseweg. Irgendwie hätte ich Lust auf einen Apfel.


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